Gedanke übers Beten
Das Gebet – der Schlüssel zum Glück?
Gedanken nach dem Missioanr und Bergführer Bruder Oswald Supersaxo
"Die grauen Wolken verschwinden – die Sterne bleiben."
Mit diesen schlichten Worten endet ein Bericht von Bruder Oswald, einem Missionsbruder, der über fünfzig Jahre seines Lebens in Afrika wirkte. Es sind Worte, die Hoffnung schenken – gerade in einer Zeit, in der viele Menschen den Eindruck haben, die Welt gerate immer mehr aus den Fugen.
Bereits 1984 schrieb Bruder Oswald über eine Welt, die seiner Ansicht nach immer stärker versuchte, ohne Gott auszukommen. Er beobachtete, dass viele Menschen ihre Hoffnung allein auf ihre eigenen Fähigkeiten setzten und dabei oft in innere Leere und Verzweiflung gerieten.
Für ihn war das Gebet keine Pflichtübung und kein Ritual. Es war vielmehr eine Kraftquelle, die seinem Leben Orientierung gab. Er war überzeugt, dass nicht allein seine eigenen Fähigkeiten die Grundlage seines Wirkens waren, sondern dass Gott ihn auf seinem Weg begleitet und getragen habe.
Mehr als fünfzig Jahre verbrachte Bruder Oswald als Missionsbruder in Afrika. Er leitete den Bau zahlreicher Kirchen, Schulen und großer Gebäude. Zeitweise arbeitete er täglich mit bis zu dreihundert Menschen auf seinen Baustellen. Die Verantwortung war enorm. Jeder Arbeitstag hätte schwere Unfälle mit sich bringen können.
Jeden Morgen vertraute er seine Arbeit im Gebet Gott und dem heiligen Franz Xaver an. Rückblickend staunte er selbst darüber, dass in all den Jahrzehnten lediglich ein Beinbruch und eine Fingerverletzung als versicherte Arbeitsunfälle zu verzeichnen waren. Für ihn war dies kein Zufall, sondern Ausdruck göttlichen Beistands.
Mit fünfundsiebzig Jahren stand Bruder Oswald noch immer täglich auf der Baustelle eines neuen Kollegiums für siebenhundert Studenten. Trotz schwindender Kräfte schrieb er voller Freude: "Mehr denn je bin ich überzeugt, dass ein anderer für mich arbeitet."
Dieser Satz beschreibt den Kern seines Glaubens. Er verstand sich nicht als Held, sondern als Werkzeug. Erfolg bedeutete für ihn nicht Selbstverwirklichung, sondern Zusammenarbeit mit Gott.
Ob man diese Sicht teilt oder nicht – der Bericht regt zum Nachdenken an. Vielleicht liegt die eigentliche Botschaft weniger in spektakulären Wundern als vielmehr in einer inneren Haltung: Vertrauen statt ständiger Angst. Dankbarkeit statt Selbstüberschätzung. Hoffnung statt Resignation.
Besonders eindrücklich ist auch eines seiner Bergsteigerbilder. Auf die Frage, ob ihn auf schmalen Graten manchmal der Schwindel packe, antwortete er: "Schwindel packt mich hier unten auf dem Pflaster. Mein Glück, meine Freude und ein frohes Leben genieße ich droben auf den Bergen. Selbst erlebte Gefahren leben in mir als frohe Erinnerungen weiter."
Vielleicht ist das die zeitlose Botschaft von Bruder Oswald: Nicht alles liegt in unserer Hand. Aber wir dürfen darauf vertrauen, dass wir unseren Weg nicht immer allein gehen müssen.
"Die grauen Wolken verschwinden – die Sterne bleiben."