Ische Hengert - Godi im Interview mit Louie

06.10.2026

Komfortzona

By Gottfried «Godi» Supersaxo - Ische Hengert Louie Supersaxo mit Godi

Der rote Faden

Die Freude an Menschen zieht sich durch mein Leben. Im Familienhotel habe ich Gastfreundschaft gelebt. Mit Musik, Radio, Kabarett und meinen Ideen schaffe ich Begegnungen. Diese Erfahrung möchte ich nun in meine Ausbildung und in die soziale Arbeit einbringen.

Die wichtigsten Stationen

  • Meine Herkunft in Saas-Fee und im elterlichen Hotelbetrieb hat mich geprägt. Menschen willkommen zu heissen und für sie da zu sein, gehört zu mir.
  • Die Nachfolgeregelung war finanziell nicht tragfähig. Schulden, steigende Kosten, fehlende Investitionsmittel und die Finanzierung einer Lösung für Eltern und Geschwister kamen zusammen.
  • Meine Kreativität fand neue Wege in Gastronomie, Wein, Musik, Radio Supersaxo, Podcasts und Kabarett. Der gemeinsame Nenner bleibt die Begegnung mit Menschen.
  • Heute beschäftige ich mich mit dem Einstieg in die soziale Arbeit und der Ausbildung in Sozialpädagogik. Ich möchte Erfahrung einbringen und zugleich wieder lernen.
  • Meine Sorgen betreffen Gesundheit und Finanzierung. Die Zusammenarbeit mit meinen Ärzten, Lebensfreude und ein unterstützendes Team helfen mir. Hilfe anzunehmen gehört zu diesem Neuanfang
  • Herkunft und Komfortzone

1 Wer ist Gottfried Supersaxo?

Ich bin Godi aus Saas-Fee und im Herzen ein Gastgeber. Ich bin in der Hotellerie aufgewachsen und habe früh erlebt, wie schön es ist, wenn sich Menschen willkommen fühlen. Diese Freude begleitet mich bis heute. Manchmal bin ich in der Küche, manchmal mit einem Alphorn unterwegs, manchmal hinter dem Mikrofon von Radio Supersaxo. Dazu kommen meine Ideen und mein Kabarett.

Wenn man alles aufzählt, klingt es nach sehr vielen verschiedenen Berufen. Für mich hängt es zusammen: Ich begegne gerne Menschen, höre ihre Geschichten und möchte ihnen Freude machen. Und jetzt möchte ich diese Erfahrung in die soziale Arbeit einbringen.

2 Was hat dich im Familienhotel besonders geprägt?

Im Familienhotel waren Arbeit und Familienleben eng miteinander verbunden. Gastfreundschaft gehörte zum Alltag. Gäste kamen mit ihren Erwartungen und Geschichten zu uns, und wir versuchten, ihnen eine gute Zeit zu ermöglichen. Besonders die Arbeit mit Kindern im Kids Club Gosulino hat mir viel bedeutet. Gemeinsam etwas ausprobieren, spielen, kreativ sein und erleben, wie Kinder Vertrauen fassen: Das ist mir geblieben.

Heute merke ich, wie viel davon mit meinem Interesse an sozialer Arbeit zusammenhängt. Es ging schon damals darum, aufmerksam zu sein und herauszufinden, was ein Mensch gerade braucht. Dieses Interesse nehme ich in meinen nächsten Lebensabschnitt mit.

3 Was bedeutet Komfortzone für dich?

Eine Bühne oder ein Mikrofon sind für mich vertraut. Da fühle ich mich wohl. Meine Komfortzone verlasse ich eher dann, wenn ich etwas loslassen muss oder zugebe, dass ich eine Aufgabe nicht alleine lösen kann.

Nochmals eine Ausbildung anzugehen, ist so ein Schritt. Ich bringe viel Lebenserfahrung mit, aber ich muss auch wieder Fragen stellen, lernen und mich auf Neues einlassen. Dazu kommen die finanziellen Sorgen. Das ist eine Herausforderung. Gleichzeitig spüre ich, dass ich diesen Weg gehen möchte. Für mich bedeutet Komfortzone verlassen heute, Unsicherheit auszuhalten und trotzdem einen nächsten, überlegten Schritt zu machen.

Hotelnachfolge und neue Wege

4 Warum ist die Nachfolgeregelung des elterlichen Betriebs gescheitert?

Der Betrieb war verschuldet. Gleichzeitig stiegen die Kosten für Löhne, Steuern, verschiedene Abgaben und den laufenden Betrieb. Für notwendige Investitionen fehlte dadurch zunehmend das Geld. Die Übernachtungspreise konnten wir im damaligen wirtschaftlichen Umfeld nicht entsprechend erhöhen.

Zur Nachfolge gehörte ausserdem eine finanzielle Lösung für meine Eltern und meine Geschwister. All das musste zusammen tragbar sein. Unter diesen Voraussetzungen liess sich die Übernahme nicht wirtschaftlich vernünftig finanzieren.

Das war schwer, weil ich mit diesem Haus verbunden war und dort meine Zukunft gesehen hatte. Leidenschaft war vorhanden. Aber ich musste mich fragen, ob ich mit einer Übernahme eine tragfähige Zukunft aufbauen könnte.

5 Wie blickst du heute auf dieses Scheitern zurück?

Es bleibt ein einschneidender Teil meiner Geschichte. Wenn man mit einem Familienbetrieb aufwächst, hängt viel daran. Man verabschiedet sich auch von einer Vorstellung davon, wie das eigene Leben weitergehen sollte.

Heute sehe ich klarer, weshalb die Nachfolge wirtschaftlich nicht tragfähig war. Ich kann das anerkennen und gleichzeitig bedauern, dass es nicht geklappt hat. Die Erfahrungen aus dem Hotel sind mir geblieben. Meine Gastfreundschaft, meine Freude an Menschen und meine Kreativität konnte ich in andere Tätigkeiten mitnehmen.

Wenn ich heute zurückblicke, sehe ich deshalb auch, was danach entstanden ist. Das hilft mir, mit diesem Kapitel umzugehen und weiterzugehen.

6 Warum hast du so viele Projekte und Ideen?

Weil mich Begegnungen inspirieren. Aus einem Gespräch, einer Beobachtung oder einem kleinen Alltagsmoment entsteht bei mir schnell eine Idee. Dann möchte ich etwas daraus machen: einen Text, eine Sendung, ein Lied oder vielleicht einen Kabarettmoment.

Radio, Wein, Gastronomie und Musik haben für mich einen gemeinsamen Nenner. Sie bringen Menschen zusammen und geben Geschichten Raum. Das erklärt die Vielfalt.

Ich weiss aber auch, dass jede Idee Zeit und manchmal Geld braucht. Gerade jetzt muss ich gut überlegen, was sich mit Ausbildung und Familie vereinbaren lässt. Ich möchte meine Kreativität behalten und meine Kräfte so einsetzen, dass ich die wichtigen Vorhaben auch tragen kann.

Angst und Neuanfang

Mögliche Interviewfragen mit persönlichen Antwortvorschlägen

7 Wovor hast du heute Angst?

Vor allem vor meiner Gesundheit und vor der finanziellen Zukunft. Nach meiner Lungenembolie macht mir der Gedanke Angst, dass wieder etwas passieren könnte. Gleichzeitig beschäftigt mich, wie ich meine Ausbildung finanzieren und meinen Verpflichtungen gegenüber meiner Familie nachkommen kann. Rechnungen und das Risiko, tiefer in Schulden zu geraten, sind reale Sorgen.

Ich versuche, darüber zu sprechen und Unterstützung anzunehmen. Bei der Gesundheit arbeite ich mit meinen Ärzten zusammen. Bei der Finanzierung helfen mir Menschen aus meinem Umfeld und meine Crowdfunding-Kampagne.

Ich möchte meine Sorgen ernst nehmen und trotzdem Freude am Leben haben. Lachen, hengertu und schöne Momente wahrnehmen: Das brauche ich ebenfalls.

8 Wie gehst du mit deiner gesundheitlichen Angst um?

Ich halte mich an die mit meinen Ärzten vereinbarte Behandlung und nehme meine Medikamente wie verordnet. Ihre Ratschläge zu Bewegung, Ernährung und Gewicht nehme ich ernst. Diese Zusammenarbeit gibt mir Halt.

Für mein Wohlbefinden sind auch die Natur, meine Hunde, Musik und Meditation wichtig. Und natürlich Ische Hengert: Menschen treffen, zuhören, reden und gemeinsam lachen. Das hilft mir, im Alltag wieder auf andere Gedanken zu kommen.

Die Angst verschwindet dadurch nicht einfach. Aber ich möchte ihr nicht meinen ganzen Tag überlassen. In meinen Worten: Was bringt es mir, wenn ich jeden Morgen schon voller Angst aus dem Haus gehe? Ich möchte bewusst leben und mich am Schönen freuen.

9 Warum gehst du mit über 50 nochmals eine Ausbildung an?

Weil mich die Arbeit mit Menschen weiterhin interessiert und ich darin meine berufliche Zukunft sehe. In meinem bisherigen Leben habe ich viel Erfahrung gesammelt, besonders in der Gastfreundschaft und in der Arbeit mit Kindern. Jetzt möchte ich dazulernen und besser verstehen, wie ich Menschen im sozialen Bereich fachlich begleiten kann.

Natürlich frage ich mich auch, wie ich Schule, Arbeit und Familie unter einen Hut bekomme. Die Finanzierung muss ebenfalls stimmen. Aber der Wunsch ist da. Ich möchte meine Erfahrung einbringen und zugleich offen bleiben für das, was ich noch nicht kann.

Mit über 50 nochmals Lernender zu sein, braucht für mich Mut. Es gibt mir aber auch eine Perspektive.

Soziale Arbeit und Finanzierung

10 Was nimmst du aus der Hotellerie in die soziale Arbeit mit?

Ich nehme die Aufmerksamkeit für Menschen mit. In der Hotellerie lernt man, zuzuhören, Situationen wahrzunehmen und auf unterschiedliche Bedürfnisse einzugehen. Auch Organisation, Geduld und der Umgang mit unerwarteten Situationen gehören dazu. Die Erfahrungen aus dem Kids Club sind für mich besonders wertvoll.

In der sozialen Arbeit möchte ich darauf aufbauen. Mir ist bewusst, dass dort zusätzliche Fachkenntnisse und andere Verantwortlichkeiten wichtig sind. Deshalb will ich lernen und mich im Team weiterentwickeln.

Ich möchte Menschen respektvoll begegnen und ihnen Raum geben. Vielleicht kann ich mit meiner Kreativität gelegentlich einen Zugang finden, der ihnen Freude macht oder ihnen hilft, sich auszudrücken.

11 Welche Rolle sollen Radio und Studio in deinem neuen Weg spielen?

Radio Supersaxo, Studio Supersaxo und Ische Hengert gehören zu mir. Ich möchte prüfen, wie ich diese Erfahrungen in den Schulalltag und später in meine Arbeit einbringen kann. Ein Mikrofon kann zum Beispiel Anlass sein, eine Geschichte zu erzählen. Musik oder ein gemeinsames kreatives Projekt können eine Begegnung ermöglichen.

Das sind Ideen, die ich gemeinsam mit den Beteiligten und dem jeweiligen Team entwickeln möchte. Entscheidend ist, ob es für die Menschen passt und was sie selbst möchten.

Auch die Erfahrungen mit dem Crowdfunding möchte ich mitnehmen. Dabei lerne ich, ein Anliegen verständlich zu erklären, Unterstützung zu organisieren und mich auf andere Menschen einzulassen.

12 Was macht dir bei der Finanzierung am meisten Sorgen?

Dass mehrere Verpflichtungen gleichzeitig zusammenkommen. Ich möchte meine Schule finanzieren, habe aber auch eine Familie, laufende Rechnungen und finanzielle Verpflichtungen. Dazu kommen notwendige Anschaffungen, etwa ein Familienauto, und die Frage, welche Investitionen ich mir leisten kann. Ich möchte aufpassen, dass ich nicht immer tiefer in eine Schuldenfalle gerate.

Finanzen sind nicht meine grosse Stärke. Das offen zu sagen, ist für mich wichtig. Ich habe ein tolles Team und Menschen, die mich unterstützen. Mit GoFundMe versuche ich, Hilfe für meinen nächsten Lebensabschnitt zu gewinnen. Es braucht noch viel Unterstützung.

Dabei möchte ich transparent bleiben und verständlich erklären, wofür ich Hilfe brauche.

Unterstützung und Lebensfreude

13 Fällt es dir leicht, Hilfe anzunehmen?

Es ist etwas, das ich lernen muss. Wenn man viele Ideen hat und gerne selbst anpackt, möchte man Probleme auch selber lösen. Aber ich merke, dass es wichtig ist, zu sagen: Hier brauche ich jemanden, der mich unterstützt. Gerade bei den Finanzen hilft mir das.

Ich habe ein gutes Team um mich herum. Dafür bin ich dankbar. Hilfe anzunehmen bedeutet für mich auch, zuzuhören und gemeinsam nach einer tragbaren Lösung zu suchen.

Ich möchte mich dafür nicht schämen. Wenn ich mit meinen Sorgen alleine bleibe, wird es nicht leichter. Ein offenes Gespräch kann schon der erste Schritt sein, um wieder klarer zu sehen.

14 Was geben dir Humor und Ische Hengert?

Humor gehört zu mir. Ich entdecke gerne das Absurde im Alltag und mache daraus eine Geschichte. Gemeinsam zu lachen ist für mich etwas sehr Schönes. Gerade in schwierigen Zeiten brauche ich solche Momente.

Ische Hengert bedeutet für mich, sich Zeit füreinander zu nehmen. Jemand erzählt, der andere hört zu, und daraus entsteht eine Begegnung. Das gibt mir Freude und oft auch neue Gedanken.

Meine Sorgen sind danach nicht automatisch gelöst. Aber ich fühle mich damit weniger alleine. Musik, Humor und Gespräche helfen mir, meinen Alltag lebendig zu gestalten. Mein Satz «Kreativität kennt keine Panik» erinnert mich daran, dass ich auch in einer schwierigen Situation nach einer Idee suchen darf.

15 Was wünschst du dir für die Zukunft und was sollen die Zuschauer mitnehmen?

Ich wünsche mir, dass ich meinen Weg in die soziale Arbeit gehen kann und dass die Finanzierung meiner Ausbildung tragbar wird. Ich möchte für meine Familie da sein, auf meine Gesundheit achten und meine Kreativität sinnvoll in meinen Alltag und meine Arbeit einbringen.

Wenn die Zuschauer etwas aus meiner Geschichte mitnehmen, dann vielleicht die Ermutigung, auch später im Leben einen neuen Weg zu prüfen. Man darf Fragen haben und man darf Hilfe brauchen.

Für mich heisst Mut, trotz meiner Ängste weiterzugehen und Unterstützung anzunehmen. Und dabei möchte ich mir die Freude an Menschen bewahren: miteinander reden, lachen und sich am Schönen freuen.


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